Dienstag, 26. Oktober 2010

Altsämische Gerberei

Vom Weben und Wirken kann ich leider nicht viel berichten, es war sonst viel zu tun und ich war unterwegs:

Bei eine Ausflug mit Führungen in Biberach an der Riß, konnten wir eine altsämische Gerberei besichtigen.


Gerberei Kolesch
 Es war beeindrucken zu sehen und zu riechen.
Beeindruckend auch was in früheren Jahrhunderten auch aus dem "Abfall" hergestellt wurde.

Die Gerberei Kolesch arbeitet nun in der 9. Generation wie bereits ihre Vorfahren.
Die Walkerei stammt aus dem 17. Jahruhundert und wird immer noch benutzt. Angetrieben durch Wasserkraft, mit Wasserrechten aus dem 17. Jahrhundert

Wer sich dafür genauer interessiert kann hier nachlesen.

Wir kamen auf unserer Führung in die "Wasserabeilung" der Gerberei. Hier werden die Felle/Decken in einer Grube, dem sogenannten Äscher eingeweicht mit ungelöschtem Kalk. Hier bleiben sie für 4 bis 6 Wochen. Haare, Keratin und Kollagenschicht werden abgelöst. Dann werden sie aus der Grube genommen und gewässert. Beim Abbau von Eiweiß in den Häuten entsteht Ammoniak. Der Geruch war eine Mischung von Nassen Häuten und vor allem Ammoniak. Bewunderung für die 9. Generation die diese Arbeit fröhlich zeigte. Der Junge Mann macht gerade seine Ausbildung. Es meinte so streng riecht es nur wenn die Felle aus der Grube kommen.
Es folgen weitere Arbeitsschritte die wir aber nicht sehen konnten, weil sie gerade nicht in Arbeit waren.
Das Wässer darf wie in früheren Jahrhunderten im Stadtbach erfolgen - denn es werden keine Chemikalien verwendet. Es sind keine speziellen Klärgruben etc. notwendig.

Ein weiterer Besichtigungspunkt war die Walkerei.
Die Felle werden mit Dorschtran gewalkt, getrocknet, gewalkt,... In einer Walkerei aus dem 17. Jahrhundert.





















Die Gerbung erfolgt durch den Tran. Es sind etwas 50 Arbeitsschritte notwendig, das Leder wird etwas 200 - 300 mal in die Hand genommen bevor es fertig zum Verarbeiten ist.

Das entstandene Material ähnelt eher Samt als Leder. Ich hatte schon viele Leder in der Hand, aber so etwas Schönes und weiches noch nie.
Diesem Beruf und speziell auch der Familie Kolesch die noch nach alter Väter Sitte arbeitet gehört meine Bewunderung.

Was mich noch fasziniert hat:
Früher (heute nicht mehr) wurde aus den abgeschabten Haaren verschiedene Produkte hergestellt:
Filz für Hausschuhe
Füllung für Schwimmreifen/Rettungsreifen (denn Haare schwimmen auf dem Wasser)
Füllung für Protektoren (z.B. Eishockey). Der Puck prallt einfach ab.
Nichts wurde einfach weggeworfen, nichts verschwendet.

Ein Beruf der vielleicht noch mehr wie die Weberei hier vom Aussterben bedroht ist. Gibt es so etwas wie eine rote Liste für vom Aussterben berohte Berufe?
Klingt jetzt doof formuliert - aber gibt es so was ähnliches?

Kommentare:

  1. Manchmal ist es ganz gut, daß es kein Geruch's-Bilder gibt. Ich kann solche Gerüche nicht so gut ertragen, habe aber auch schon festgestellt, daß man sich an so manche Gerüche "gewöhnen" kann... Soooo spannend, daß es wirklich immernoch Leute gibt, die solche Traditionen weiterleben und weitergeben!!!!! Ja ich finde auch, daß man solche Berufe subventionieren, unterstützen und wieder aufleben lassen sollte. Allerdings denke ich, daß es immer mehr wieder rückläufig wird, je mehr die Leute merken, daß ohne frisches Trinkwasser, ohne Essen man einfach nicht mehr leben kann. Kein Fernseher oder Computer wird einen am Leben halten...
    Danke für Deinen tollen Beitrag. Ich habe mir auch schon die Internetseite angeschaut!
    ( ich wollte so gerne mal mir eine alte Bandweberei anschauen, vielleicht schaffe ich das ja mal!).
    Was macht Euer Backhäuschen?
    Liebe Grüße Tinki

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  2. Danke für diesen ausführlichen und sehr interessanten Bericht!

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